Mittwoch, 1. Dezember 2010

Sie geriet in die Kriminalität

Das Kind gehört zur Mutter, heißt es immer wieder. Diese Mutter hat ihr Kind umgebracht und nein, keine Angst, sie bekommt nicht lebenslänglich dafür. Für eine Wiederholungstäterin, die bereits ein früheres Kind ausgesetzt hatte, braucht es bekanntlich reichlich Empathie und viel Verständnis.

'Tübingen - Weil sie ihr Baby direkt nach der Geburt erfrieren ließ, muss eine 44-Jährige für sechs Jahre hinter Gitter. Das Landgericht Tübingen verurteilte die sechsfache Mutter aus Bodelshausen (Baden-Württemberg) am Montag wegen Totschlags.
Sie hatte zugegeben, ihr siebtes Baby im November 2009 unmittelbar nach der Geburt nackt im Kofferraum ihres kalten Autos zurückgelassen zu haben. Dort war das Mädchen gestorben ... '
(Spiegel)

Dieses Verständnis bringt das Gericht auch gern auf. Ein männlicher Kindesmörder mit krimineller Vergangenheit wäre vor dem hohen Hause einfach - ein Krimineller. Nicht so eine Frau, die irgendwie Opfer sein muss: 'Mit 18 war sie zu Hause herausgeflogen, geriet in die Kriminalität.' Vermutlich geriet sie in Kriminalität, wie andere von einem Schnupfen angeflogen werden, total passiv.
"Was ist mit einer Mutter geschehen, dass sie so etwas tut?", fragte sich das Gericht, denn natürlich kann eine sozial total kompetente Mutter nicht einfach schlecht sein, da muss doch etwas dahinterstecken? Ein böser Mann vielleicht?

Immerhin ist die Täterin nicht straffrei ausgegangen, wie vor kurzer Zeit eine Mutter, die ihre beiden Kinder getötet hatte und mangels Wiederholungsgefahr freikam (es waren keine Kinder mehr da).

' ...Weil sie ihr Baby direkt nach der Geburt erfrieren ließ, muss eine 44-Jährige für sechs Jahre hinter Gitter ...'

Fälle wie dieser werfen die Frage auf, ob es wirklich im Sinne der Kinder ist, Mütter mit Engeln auf eine Stufe zu stellen und Väter eher zu reinen Zahlsklaven zu degradieren. Justitia ist blind und ausserdem - weiblich.

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