Freitag, 19. November 2010

Alle Jahre wieder - der ehrenwerte Herr Wickert

Heute früh lag Post von Ulrich Wickert, ja, von dem Ulrich Wickert, im Briefkasten. Über meiner Anschrift prangte in fetten Lettern der Aufdruck 'Mädchen haben es noch schwerer ...' - und der Herr Wickert ist gewiss ein ehrenwerter Mann.

Er schreibt mir, Kinder in Entwicklungsländern hätten 'lebenslange Armut und Chancenlosigkeit' zu gewärtigen, noch schlimmer sei es allerdings für Mädchen, für diese kämen 'tägliche Demütigungen' hinzu. 'Die Welt ist unfair für viele Millionen Mädchen', fährt er fort und läßt mich am Schicksal von 'Anisa aus Indonesien' teilhaben, die aus ärmlichen Verhältnissen komme, unter schlechter medizinischer Versorgung leidet und nicht regelmäßig geimpft wurde. 'Mangelndes und verschmutztes Trinkwasser war ebenfalls eine Gefahr für ihre Gesundheit'.

Vermutlich führt Anisas Bruder ein entspanntes Leben in Saus und Braus, wurde bei bester Gesundheitsversorgung regelmäßig geimpft und nimmt täglich ein Wellnessbad in wohltemperiertem Evian - aber das schreibt der ehrenwerte Herr Wickert nicht. Dafür hat er ein Foto von 'Anisa' beigefügt sowie ein buntes Freundschaftsband und weist darauf hin, dass Anisas Mutter gelernt habe, dank Patenschaft 'durch Näharbeiten zum Unterhalt der Familie beizutragen'. Wer die Familie ansonsten unterhält, erwähnt Herr Wickert nicht.
Statt dessen liegt ein Faltblatt bei, 'Lieber Herr Gogolin, Mädchen brauchen ihre Untertützung!'. Täglich würde das Recht der Mädchen auf körperliche Unversehrtheit durch Kinderarbeit, Genitalbschneidung und Mädchenhandel verletzt. Für das Recht der Jungen auf körperliche Unversehrtheit, das durch Kinderarbeit, Militärdienst und Genitalbeschneidung verletzt wird, hat der ehrenwerte Herr Wickert kein Wort übrig.

Statt dessen weist er darauf hin, dass durch eine Patenschaft via PLAN Aufklärungskurse über 'die Rechte und Chancen von Mädchen' veranstaltet würden, dass PLAN in die 'schulische Grundbildung und berufliche Förderung von Mädchen' investieren würde. Bildung sei ein 'Grundrecht für Mädchen'. Mädchen sollten zum Schutz vor Kinderhändlern und Kinderarbeit Geburtsurkunden erhalten sowie aufgeklärt werden über Mißbrauch und Aids.
Zum Schutz der Jungen vor Kinderhändlern und Kinderarbeit; Mißbrauch und AIDS schweigt der Herr Wickert gänzlich und fordert auf: 'Reichen Sie einem Mädchen die Hand'. Und Ulrich Wickert ist gewiß ein ehrenwerter Mann. Um das noch zu unterstreichen, hat er das Zitat des ebenfalls ehrenwerten Walter Scheel beigefügt: ' Werden auch Sie Pate! So erhöhen Sie die Chancen für ein Mädchen, gut ausgebildet und besser versorgt zu werden - ein entscheidender Schritt zur Gleichbehandlung'.

PS: Man kann ankreuzen, Pate für einen Jungen werden zu wollen. Aber - wäre das ehrenwert?

Kommentare:

  1. Wenn ein "Mann" wie Ulrich Wickert solche Post schickt, zeigt das doch wieviel Aufsehen Blogs wie dieser und die Mänerbewegung Allgemein erzeugen.
    Betrachten wir das als Bestätigung für die Arbeit.

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  2. Madelaine v. Buttlar14. November 2011 um 22:21

    Selbstverständlich können Sie auch einen halbnackten kleinen Jungen "bestellen", der mit erwartungsvollen Augen auf seinen zukünftigen Gönner blickt. Meine diesbezügliche Anfrage bei Plan de. wurde vor zwei oder drei Jahren umgehend beantwortet und seitdem konnte ich mich vor Post gar nicht wehren. Meine Anfrage, ob man die Kinder denn sehen, besuchen und fotografieren dürfte - auch auf die wurde positiv und schnell reagiert. Nachdem ich, auch direkt von Herrn Wickert- wissen wollte, weshalb es denn nötig sei, die kleinen Mädchen nicht nur mit Lippenstift und schwarzen Lidstrichen zu schminken, sondern mit Zeigefinger im halbgeöffneten feuchten Mund und schmachtendem aufreizendem Blick zu fotografieren, da bin ich aus dem Verteiler rausgeflogen. Die Kinder-Angebote im Großformat hatte ich weiter aufbewahrt. Genau vor einem Jahr übergab ich sie einem Kriminalbeamten oder Polizisten in Brandenburg, der für Kinderpornographie zuständig war oder ist.Von der plan-de hatte der bisher noch nichts gehört. Er wollte sich der Angelegenheit annehmen aber er hatte leider keinen Erfolg. P.S. Das Foto des eindeutig! auffordernden Mädchens ist seit meinen Briefen aus dem Verkehr gezogen. Die Kleine mit dem blaugrünen Hut und den schwarzen Kulleraugen, der ich "meine Augen für ihre Welt öffnen soll"- die kenne ich schon seit Jahren. Und die müßte doch dank Ulli Wickert oder Herrn Köhler längst einen mädchenliebenden Paten gefunden haben, der für 0,92 Euro pro Tag so gut ist, aktuelle Fotos von ihr in Empfang zu nehmen, sie "sogar" besuchen zu dürfen und an ihrem Lebensweg teilzunehmen. Ich möchte gerne wissen, was aus den "vermittelten " Mädchen und Jungen geworden ist - möchte wissen, wer die Paten überprüft etc.etc.. Es wird Zeit, Herr Wickert, dass Plan.de-Hilfe zur Selbsthilfe" mal zur Diskussion gestellt wird in der Öffentlichkeit.

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