Mittwoch, 6. Oktober 2010

Marilyn Monroe - Die richtige Frage

Im aktuellen SPIEGEL (40/2010) ist Marilyn Monroe das Titelthema. Wie fast alle Frauen in den Medien wird die Dame hoch in den Himmel gelobt, als modern, klug, wissbegierig, selbstbestimmt tituliert - und natürlich war die Schauspielerin 'nicht das Auslaufmodell der Voremanzipation, kein Dummchen mit hübschem Po und langen Wimpern'.

Zum Ende hin findet der Artikel eine unerwartete Wendung:

'Vor knapp einem Jahr präsentierten zwei Wissenschaftler ... eine Studie 'Das Paradox des abnehmenden Glücks von Frauen' ...Das Ergebnis: Frauen sind in den vergangenen 40 Jahren immer unglücklicher geworden. Aber was folgt daraus? Etwa, dass Frauen den falschen Weg eingeschlagen haben, den Weg in die Emanzipation? ...'

Fast 50 Jahre Jahre ist Monroe nun schon tot - und erst heute fällt Redakteuren die richtige Frage dazu ein. Wie viele Jahre sie wohl für die richtige Antwort brauchen werden? Noch sind sie nicht so weit:

'Hätten sie sich stattdessen bescheiden sollen? Wie viel ärmer wäre die Welt, wenn eine Monroe sich beschieden hätte, wenn sie sich nicht aus Norma Jeane Dougherty in Marilyn Monroe verwandelt hätte. Unvorstellbar dieser Verlust. Unvorstellbar, Emanzipation für keine gute Idee zu halten. Es geht um weibliche Würde.'

Diese Formulierungen grenzen an Zynismus. Über viele Seiten wird das immer stärker werdende Unglücksgefühl Marilyn Monroes ausgebreitet, das dann wohl im Freitod endete. Ist es denn wirklich vollkommen unvorstellbar, dass sie als unbekannte, unemanzipierte Frau mit Mann und vier Kindern irgendwo am Stadtrand ein glückliches Leben hätte führen können? So ganz ohne 'weibliche Würde', was immer damit gemeint sein mag?

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