Montag, 4. Oktober 2010

Frauenquote statt Demokratie

'Die CSU hat ein gravierendes Problem. Sie ist zu männlich: Weniger als ein Fünftel der Mitglieder sind weiblich, auch in der Führung fehlen Frauen. Eine Frauenquote muss her, fordern Parteichef Horst Seehofer und die Frauenunions-Vorsitzende Angelika Niebler ... Nach einer ersten Sondersitzung des CSU-Vorstands Mitte September wurde das Ziel bereits aufgeweicht. Nur noch im ersten Wahlgang soll bei allen parteiinternen Wahlen eine 40-Prozent-Quote für Frauen vorgeschrieben sein ...' (br-online)

Nicht einmal 20% weibliche Mitglieder und eine 40%-Frauenquote bei Wahlen. Bemerkenswert, dass eine angeblich eher konservative Partei wie die CSU vulgärfeministischen Forderungen nachkommt und sich zum Hort von Männer- und Demokratiefeindlichkeit macht.
Aber - warum denn auf halbem Wege stehen bleiben? Es wäre doch allemal ehrlicher, die Spitzenposten direkt ohne dieses Schmierentheater an Frauen zu geben - in der DDR hat das Prinzip der starr festgelegten Sitzverteilung doch auch jahrzehntelang bestens funktioniert. Man mag kleinkrämerisch einwenden, dass die DDR keine Demokratie war - aber das gilt für die Frauenquote nicht weniger.

Interessant, wie locker Redakteure mit Formulierungen umgehen, eine Partei sei 'zu männlich'. Vor nicht allzu langer Zeit beklagten Schreiberlinge, diese oder jene Einrichtung sei 'zu jüdisch'. Oder ist das nicht vergleichbar?
Erstaunlicherweise gelten nicht einmal Schulen mit 90%igem Lehrerinnenanteil als 'zu weiblich'.

1 Kommentar:

  1. Noch viel erstaunlicher als die von den Etablierten geforderte Quote, ja geradezu revolutionär, finde ich diesen Teil des Berichts:

    "Der CSU-Nachwuchs hat seinen Widerstand gegen die am Montag beschlossene abgespeckte Version der Frauenquote angekündigt. Der Parteivorstand einigte sich, dass bei parteiinternen Wahlen nur auf Bezirks- und Landesebene künftig eine 40-Prozent-Quote vorgeschrieben sein soll. Die stellvertretende Vorsitzende der Jungen Union (JU), Katrin Poleschner, empfindet jede Art von Quote als "diskriminierend" und "undemokratisch". Die jungen CSU-Frauen wollen nicht wegen ihrer Geschlechtszugehörigkeit, sondern wegen ihrer Leistung weiterkommen."

    Widerstand der "jungen Frauen" dagegen, "quotiert" zu werden. Das ist neu und das gibt Hoffnung. Und der alte Opportunist Seehofer, der "wie ein Löwe für die Frauenquote kämpfen" wollte, landet als Bettvorleger, blamiert bis auf die Knochen. Da kommt doch Freude auf.

    Wolf

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