Sonntag, 20. Juni 2010

Gleiche Rechte, gleiche Pflichten!

'Gleiche Rechte, gleiche Pflichten!
von Alice Schwarzer

Ist die nur für Männer geltende Wehrpflicht gerecht und überhaupt noch zeitgemäß? EMMA-Herausgeberin Alice Schwarzer verneint beides. Sie erinnert die Politiker an den Auftrag des Verfassungsgerichts, eine Gerechtigkeitslücke zu schließen.

Wir leben in Zeiten, in denen Deutsche sinnlos am Hindukusch sterben und Soldatinnen und Soldaten von „gerechten Interventionen“ traumatisiert in die Heimat zurückkehren. Will ich mich da allen Ernstes im Namen des Gleichheitsprinzips für eine Wehrpflicht für beide Geschlechter starkmachen? Nein, will ich nicht. Schließlich bin ich ja schon gegen die Wehrpflicht für Männer, und außerdem stehen die Zeichen längst auf Berufsarmee.

Dennoch: Es bleibt, dass die einseitige Wehrpflicht für Männer ungerecht und nicht mehr zeitgemäß ist. Bereits kurz nach Öffnung der Bundeswehr für die Frauen 2001 habe ich darum in EMMA für eine „Dienstpflicht“ für beide Geschlechter plädiert, bei der Frauen wie Männer wählen können: Ob sie nun den Wehrdienst oder ein soziales Jahr (beziehungsweise Halbjahr) absolvieren ...

Diese dem Gleichheitsprinzip klar widersprechende Ungleichheit ist in dem Land der einst so kriegerischen Männer und noch immer fürsorglichen Mütter tatsächlich immer noch rechtens. Am 10.April 2002 ließ das Verfassungsgericht als Antwort auf eine Klage verlauten, die Politik solle die Frage der Geschlechtergerechtigkeit bei der Wehrpflicht entscheiden, und zwar mit „politischer Klugheit und ökonomischer Zweckmäßigkeit“. Doch die Politik schweigt seither zu dieser Frage. Warum? Dazu gibt es in Zeiten von Kanzlerin und Vätermonaten für Babys schließlich keinen Grund mehr. Denn zu Recht lautet die Devise heute: Gleiche Rechte für Frauen und Männer – was selbstverständlich auch die gleichen Pflichten mit sich bringt ...'

Cicero

Ich staune.

Kommentare:

  1. Dies entspricht folgerichtig dem Strategiewechsel des Feminismus, der schon Thomas Gesterkamp in seiner Expertise "Geschlechterkampf von rechts" beschrieben hat.

    Er schlug vor, den Antifeministen (= wir) den Wind aus den Segeln zu nehmen, indem man einen verstärkten Dialog mit den Männern eingeht, die sich zur weichen Männerbewegung zählen. Dazu passt auch die Errichtung eines Bundesforum für Männer, welche selbstverständlich vom Frauenministerium gesponsort wird.

    Es bleibt abzuwarten, ob sie sich dadurch nicht selbst spalten und sich aufgrund ihrer Inkonsequenz lächerlich machen.

    Mal sehen.

    Gruss,
    Manifold

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  2. Ändert ein Mann seine Meinung wurde er überzeugt, ändert eine Frau ihre Meinung ist sie inkonsequent, ganz klassisch, bravo!
    Ganz davon abgesehen, dass Fr. Schwarzer nicht von einer Änderung ihrer Meinung sprach...

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