Donnerstag, 7. Januar 2010

Feministische Kultur?

Im Kulturspiegel vom Januar 2010 werden die angeblich wichtigsten Phänomene der neuen Dekade vorgestellt. Derlei blättert man uninteressiert durch, bis zum Unterpunkt 'Female Shift': 'Die Frauen in den Vorständen deutscher Unternehmen hat sich im vergangenen Jahrzehnt verdoppelt ... Für die kommende Dekade wäre eine Verzehnfachung wünschenswert, mindestens', schreibt da eine Claudia Voigt. Warum und für wen - ausser für Quotenfrauen - das wünschenswert sein sollte, bleibt ihr Geheimnis. Was solls, könnte man fragen, eine vulgärfeministische Schmuddelecke ist auch dem Kulturspiegel zu gönnen. Aber irgendwann nervt's doch, weil Frau Voigt auch noch an einer Buchbesprechung (Henry James / Benvolio) dilettieren darf: ' ...Die Frauen darin werden von den Männern hin und wieder als kaltherzig bezeichnet, aber der Autor und der Leser wissen es besser: Es ist ihr kühler Kopf, ihre Klugheit, die von den unterlegenen Männern herabgestuft werden müssen, um sie ertragen zu können ...' Derlei dumpf vorgetragener Überlegenheitsfeminismus sollte in einem Blatt, dass die Kultur im Titel trägt, keinen Raum finden.

Kommentare:

  1. Hallo Herr Gogolin,

    ich hab den Artikel zwar nicht gelesen. Es wäre aber mal interessant, wie die Autorin es begründet, daß eine Verzehnfachung von weiblichen Vorständen wünschenswert wäre.

    Das Traurige ist, daß niemand diese Konstruktion von Benachteiligung als solche erkennt. Frauen müssen ebenso leicht Vorstand eines Unternehmens werden können wie Männer.
    Sowohl auf juristischer (harter) Ebene als auch auf mentaler (weicher) Ebene. Das war's.

    Wenn es hier Mängel gibt, müssen diese beseitigt werden.
    Diese Frau ist natürlich saudumm. Das kann ich leider nicht anders schreiben und es trifft auf unheimlich viele Verantwortliche in Politik und Medien sowie unzählige Gutmenschen zu.

    Das Ideal der Gleichberechtigung wird pauschal mit irgendwelchen angeblich diese Gleichberechtigung repräsentierenden Prozentverhältnissen verknüpft. Und dies wiederum nur in Männerberufen.

    3% männliche Kindergärtner? Unfaßbar! Wir leben im Matriarchat!

    Die beschriebene Gleichverteilungsideologie hat natürlich zur Folge, daß unsere Geschlechtlichkeit "kulturell" erklärt werden muß, obwohl kein Gedanke schwachsinniger ist als dieser.

    Wir sollten mal darüber nachdenken, was in unserem Land eigentlich los ist, daß eine derartig zweckgerichtete Pseudo-Wisssenschaft wie die Gender-Theologie solch eine Huldigung und Akzeptanz erfahren kann.

    Dies alles ist für mich unfaßbar. Es sind ja gebildete Menschen, die diese kafkaeske und orwellsche Inszenierung vorantreiben.

    Diese Zusammenhänge sind so leicht zu durchschauen.
    Was sagt dies bloß über die geistige Verfassung unserer Gesellschaft aus?

    Warum sieht niemand den Konstruktionscharakter der angeblichen Benachteiligungen angesichts der Tatsache, daß diese Vorgehensweise nicht bei Männern angewendet wird, die in bestimmten Bereichen sehr gering vertreten sind?

    Das Feststellen von Benachteiligungen gegenüber Frauen ist ein Selbstzweck und daher reichen meist nominal-abstrakte und unverbindliche Konstruktionen. Dann kann man sich gut fühlen und zählt zu den guten Menschen.

    Wer dies infrage stellt, zählt zu den Bösen. Obwohl es gar nicht darum geht, ob Frauen nun tatsächlich benachteiligt werden oder nicht, sondern darum, daß wir überhaupt zu einer neutralen, nicht zweckgerichteten Fragestellung in der Lage sind.

    Diese übergeordneten Zusammenhänge sehen leider nur sehr wenige. Also den Ideologiecharakter der ganzen Sache.

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  2. "Das Feststellen von Benachteiligungen gegenüber Frauen ist ein Selbstzweck und daher reichen meist nominal-abstrakte und unverbindliche Konstruktionen. Dann kann man sich gut fühlen und zählt zu den guten Menschen."

    Keine Ahnung, vllt, weil Männer gar nicht in diese Bereiche wollen z.B. Putzen, Altenpleger, sonstige Pflegeberufe usw. Sie fühlen sich eben "besser"
    und wenn sie es doch wollen, dann müssen sie aufstehen und den mund aufmachen, das ist, was emanzipation bedeutet, selbst aktiv werden, nicht nur jammern

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