Samstag, 22. August 2009

Maskuline Privilegien am Herd

'...Die traditionelle Hierarchie in der Küche bestand seit Beginn der ganz hohen Kochkunst auch darin, dass spektakuläre Essen in prominenten Häusern ausschließlich von Männern gekocht wurden. Überall dort, wo Mann sich Lorbeeren erwerben konnte.
Von Anfang an waren es Männer, die den Lauf der Zeit bestimmen wollten, Männer waren Kaiser und Könige, der Papst war ein Mann, die Pferdelenker waren männlich; und wer anderen den Bart scheren wollte, durfte dies nur, wenn er selber Bartwuchs aufweisen konnte. Im Fall der kochenden Männer waren die Begründungen wie "Eine Frau kann schwere Suppentöpfe gar nicht tragen" oder "Frauen fürchten den Umgang mit scharfen Messern" genau so heuchlerisch wie die Verbannung von talentierten Frauen in die Anonymität der Klöster. In Wirklichkeit ging es den Männern zu allen Zeiten nur darum, ihre Berufsgruppe vor Konkurrenz zu schützen und ihre maskulinen Privilegien zu erhalten ...'


Sätze wie in Stein geritzt, sicher mit Fräulein Schwarzers lila Feder, möchte man meinen. Aber - man irrt in diesem Fall. Sie stammen aus einem launigen Buch über den kulinarischen Weg der Deutschen. Es heißt 'Die Deutschen und ihre Küche' (Rowohlt, 2007, Seite 66) und stammt von einem unserer bekanntesten Gourmetkritiker, nämlich von Wolfram Siebeck. Dieser Feinschmecker, Jahrgang 1928, ist bislang nicht als Radikalfeminist in Erscheinung getreten und ich wage die Vermutung: Er ist auch tatsächlich keiner.
Ich zitiere diesen Abschnitt, um zu dokumentieren, wie sehr vulgärfeministische Plattidüden quasi als Alltagsweisheiten in sämtlichen Köpfen verankert zu sein scheinen, wie selbstverständlich sie auch in den entlegensten Ecken Raum finden und das Verhältnis zwischen den Geschlechtern vergiften.

Nun sollte allgemein bekannt sein, dass Frauen vor Verfügbarkeit effektiver Verhütungsmittel oftmals sehr viele Kinder hatten und lange Zeit schwanger waren, daher kaum auch noch andere Höchstleitungen erbringen konnten. Leider ist es in den letzten Jahren Mode geworden, Schutzvorschriften für Frauen in Diskriminierung selbiger umzudeuten - als wenn sich irgendjemand, egal welchen Geschlechts, um unangenehme, harte, schmutzige Arbeitsbedingungen reißen würde.

Natürlich weiß gerade Herr Siebeck als regelmäßiger Besucher von Gourmettempeln, dass auch heutzutage fast alle Spitzenköche männlichen Geschlechts sind. Den Guide Michelin und Gault Millau wird er zudem im Regal stehen haben und könnte beim Nachschlagen in allen Jahrgängen leicht feststellen, dass weibliche Höchstleistungen in der gehobenen Küche zu den Raritäten gehören.

Niemand aber hindert Frauen daran, in der höchsten Liga der Gastronomie mitzuspielen - kein Mann, kein Patriarchat, keine gläserne Decke, keine frauendiskriminierende Schutzvorschrift. Es gibt ja auch durchaus positive Beispiele weiblicher Kochkunst, z.B. Frau Poletto in Hamburg mit einem Michelin-Stern und 16 Gault-Millau-Punkten. Allerdings erfordert das Spiel in der ersten Liga neben Talent, Kreativität und Durchhaltewillen auch sehr harte Arbeit, immer wieder.
Trotz jahrzehntelanger Förderung bringen aber die meisten Frauen diese Energie offensichtlich nicht auf. Es fehlt wohl der Wille zum Erfolg. Und natürlich gibt es für die Damen weitaus bequemere Wege, die Brötchen zu verdienen, zum Beispiel als Quotenfrau im öffentlichen Dienst.

Herr Siebeck, dessen Bücher und Kommentare ich im übrigen sehr schätze, täte sicher gut daran, sich auf Heimspielen in Edelrestaurants statt mit dumpf nachgeplapperter Männerfeindlichkeit auf feministischer Seite im Geschlechterkrieg zu tummeln. Hetzerische Sätze wie 'Während die Männer zu allen Zeiten Kriege führen, von der Steinzeit bis in die siebziger Jahre, bereiteten die Frauen die Speisen' (S. 204) will ich in einem Kochbuch nicht lesen, denn das ist der Stoff, aus dem die EMMA ist.

1 Kommentar:

  1. Ein wieder einmal sehr schönes Beispiel dafür, wie sehr der Feminismus vom Neid befruchtet wird. Neid auf die Männer, die Könige, Kaiser, Papst und sogar Pferdelenker werden durften.
    Das trübt, wie immer in solchen Fällen, den klaren Blick: was ist mit den armen Schweinen, die in Kriegen verheizt wurden oder unter unzumutbaren Verhältnissen in der Erzgrube schuften mussten? Alles Männer!
    Aber auch die Kaiserinnen, Königinnen, Hofdamen und Mätressen, die über Jahrhunderte ihre weiblichen Privilegien genießen konnten, passen nicht ins verengte Weltbild dieses Pudels, der den Feminismus derart verinnerlicht hat, dass er gar auf Angehörige des eigenen Geschlechts neidisch ist. Ein tragischer Fall...

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