Samstag, 1. August 2009

Frauenpower auf Amrum?

Sommerurlaub auf der Nordseeinsel Amrum, kann es etwas Schöneres geben? Ab Dagebüll ging es auf die Fähre, kräftige Männer machten das Boot fest und organisierten das RollOff-RollOn der Autos. Nun sind die Arbeitszeiten auf diesen Fähren nicht besonders angenehm, daher waren nur männliche Kellner zu sehen. In Wittdün angekommen, zog es uns gleich in die Ferienwohnung. Das nebenan stehende, gut sechs Quadratmeter große Holzhäuschen für die Müllcontainer war ziemlich verwittert, der Nachbar verbrachte einige Stunden mit der Neulackierung. Ein paar Meter weiter werden, so etwas ist im Urlaub nicht witzig, gerade fünf Doppelhäuser errichtet. Im Bulldozer, in den Baggern, am Betonmischer arbeiteten ausschließlich - Männer. Sie verschalten, legten Eisengitter und Abflussrohre, schütteten bei glühender Julisonne das Fundament. Auch alle Materialien lieferten Männer. Wozu veranstalten wir eigentlich seit Jahren Girlsdays, wenn die Mädels sich so gar nicht für Männerberufe, die mit Arbeit, Schmutz und Gefahr zu tun haben, begeistern mögen?

Zum Abendbrot wollten wir etwas Räucherlachs und -aal verspeisen, glücklicherweise gibt es in Wittdün noch eine einzige Räucherei. Die betreibt ein Mann.
Gibt es denn auf der Insel gar keine Frauen, wird man nun fragen. Doch, die gibt es reichlich: In Norddorf zum Beispiel betreibt die AOK auf einem riesigen Areal am Strand eine Puderzucker-in-den-Hintern-Einrichtung, für Mutter und Kind. In Wittdün bietet das Deutsche Rote Kreuz im 'Alma-Münster-Haus für Gesundheit und Familie' Frauen umfängliche Angebote in modern eingerichteten Zimmern, Frauen mit mehreren Kindern erhalten natürlich 2-Raumappartements.

Veranstaltungen:
Begrüßungs- und Abschiedsabend mit friesischen Köstlichkeiten, Schiffsausflüge zu den Nachbarinseln und den Halligen und zu den Seehundsbänken .

Angebote für Mutter und Kind:
Basteln, Erlebnis-Spaziergänge, Mutter-Kind-Turnen, Mutter-Kind-Yoga, Strandspiele, Kuschelabende,

Vätern oder überhaupt Männern, die solche Angebote in erster Linie erarbeiten und finanzieren müssen, steht derlei nicht offen - höchstens als Zivildienstleistende.
Ob dies wohl einer der Umstände sein könnte, dem die hohe Lebenserwartung der Frauen und die deutlich niedrigere der Männer geschuldet ist? Ob die geschlechtsbedingten Lebenserwartungen wohl umgekehrt wären, wenn Frauen bei Wind und Wetter Häuser bauten und Männer sich im Rahmen frauenfinanzierter Kuren päppeln liessen? Und was würden Frauen wohl entgegnen, wenn man ihnen dann vorwürfe, sie selbst seien schuld an ihrem kurzem Leben, sie könnten ja mehr auf sich achten, weniger rauchen und öfter zum Arzt gehen?

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